" Eine Frage: Was glaubt ihr, dass eine Trollin eher »bumst« oder »verkehrt« ? " (Hans Peter Duerr)

Geisterwelten

Samstag, 27. Mai 2006

Tierverwandlungen

"Dass es im Mittelalter in dieser Gegend Drachen gegeben hat [...] ist nicht verwunderlich, und es wäre auch nicht erstaunlich, wenn sie heute wieder vor den entsetzten Augen der Bauern erschienen. Alles ist hier tatsächlich möglich, wo die antiken Heidengötter, der Bock und das rituelle Lamm täglich über die bekannten Straßen laufen und das es keine sichere Grenze zwischen dem Bereich des Menschlichen und der Welt der Tiere und Ungeheuer gibt."
(Carlo Levi, Christus kam nur bis Eboli, München 1982, S.100)

Levi führt weiter aus, dass es in dem kleinen Dorf Gagliano viele Wesen mit sogenannten Doppelnaturen gibt. Dies bedeutet, dass heidnische denkende und fühlende Menschen keinen Widerspruch darin sehen, gleichzeitig von einem menschlichen Wesen, einer mythologischen Gestalt oder einem Tier abzustammen: "Eine Frau, eine Bäuerin mittleren Alters, mit Mann und Kindern, die, wenn man sie so sah, gar nichts besonderes an sich hatte, war die Tochter einer Kuh. So behauptete der ganze Ort, und sie selbst bestätigte es. Alle alten Leute erinnern sich an die , ihre Mutter, die ihr, als sie ein Kind war, überall hin folgte, sie brüllend rief und sie mit ihrer rauhen Zunge beleckte. Das schloß die Tatsache nicht aus, dass es auch eine menschliche Mutter gegeben hatte, die jetzt, ebenso wie die Kuhmutter, lange tot war. (a.a.O., S.100)

Daneben scheint es noch sporadische Verwandlungen zu geben: die meiste Zeit ihres Alltags verbringen diese Wesen in ihrem menschlichen Zustand nur zu besonderen Gelegenheiten. Unter Umständen kann dies auch für deren Familie gewisse Gefahren in sich bergen: Es gab auch in Gagliano einige, die in Winternächten sich wegschlichen, um mit ihren Brüdern, den wahren Wölfen zusammenzutreffen. " Sie gehen nachts aus", erzählte mir Julia, " und sind noch Menschen, aber dann werden sie zu Wölfen und versammeln sich alle zusammen mit den richtigen Wölfen am Brunnen. Man muss aber aufpassen, wenn sie nach Hause kommen. Wenn sie das erste Mal ankklopfen, darf die Frau nicht aufmachen. Wenn sie öffnete, würde sie den Mannnoch ganz als Wolf erblicken, er würde sie verschlingen und für immer in den Wald flüchten. Wenn sie zum zweiten Mal klopfen, darf die Frau noch immer nicht aufmachen: sie würde ihren Mann bereits mit seinem menschlichen Körper, aber noch mit einem Wolfskopf sehen. Erst beim dritten Klopfen kann man öffnen: dann sind sie schon ganz verwandelt, der Wolf ist verschwunden, und der Mensch ist wieder zum Vorschein gekommen.
(a.a.O., S.100f.)

Freitag, 26. Mai 2006

Geisterboote und Seelenführer

"Da ich nun in meinem Bericht so weit gelangt bin, muss ich auch einer reichlich märchenhaften Geschichte Erwähnung tun: Sie machte mir zwar einen ganz und gar unglaubwürdigen Eindruck, obwohl sie immer wieder von zahllosen Leuten vorgebracht wurde, die die Vorgänge erlebt und mit eigenen Augen davon gehört haben wollten..."
(Prokop, Gotenkriege, München 1966, 875 - 879, zitiert aus: Carlo Ginzburg, Hexensabbat - Entzifferung einer nächtlichen Geschichte, Berlin 2005 )

Ginzburg führt im folgenden weiter aus, dass es sich bei den erwähnten Menschen um die Einwohner einiger Küstendörfer handelt, die gegenüber von Brittia gelegen haben sollen. Als Untertanen der Franken sind sie jedoch von allen Tributzahlungen befreit, da sie gewisse Dienste zu leisten haben: Die Einwohner der Küstendörfer sind verpflichtet, die Seelen der Verstorbenen auf die Insel Brittia überzusetzen.
Prokop berichtet: "Wer nun in der folgenden Nacht das Amt übernehmen und sich zu dieser Dienstleistung einfinden muss, begibt sich gleich nach dem Dunkelwerden in sein Haus und pflegt hier der Ruhe, wobei er auf den Anführer des Zuges wartet. Mitten in der Nacht merken sie plötzlich, wie an die Türen geschlagen wird, und vernehmen die Stimme eines Unsichtbaren, der sie zum Werk zusammenruft. Daraufhin erheben sie sich sofort von ihren Lagerstätten und gehen zum Gestade, von einem gewissen Zwange getrieben, aber ohne recht zu wissen, welcher Art dieser ist."
Laut Ginzburg finden sie am Ufer Boote, die anscheindend leer sind, aber dennoch beinahe bis zum Rand im Wasser versinken, wenn sie einsteigen. Gewöhnlich dauert die Fahrt nach Brittia einen Tag und eine Nacht, in dieser Nacht jedoch nur eine Stunde. Sie sehen keinen ihrer Passagiere, sondern hören nur eine Stimme, die die Namen und Stellung der Fahrgäste verkündet. Auf der Rückfahrt von Brittia sind die Boote leicht.
(Ginzburg a.a.O., S.127f)

Montag, 31. Oktober 2005

Blaupause fuer Schutzengel: Fylgjen

Persönliche Schutzengel sind allen von uns seit der Kindheit geläufig und werden häufig in Zeiten besonderer Not von gläubigen Christen angerufen.
Meist erscheinen sie als androgyne Wesen mit weißen Flügeln, wie dies aus zahlreichen Gemälden und Abbildungen ersichtlich ist. Allerdings gibt es weder im Alten noch im Neuen Testament Hinweise auf individuell zuzuordnende Engelwesen, die quasi als Beschützer von Einzelpersonen gelten könnten. Biblische Engel werden als mächtige Wesenheiten dargestellt, die häufig rächende oder strafende Funktion haben. Immer sind sie einem mächtigeren Herrn, einem Gott unterstellt, für den sie teilweise auch Botendiensten übernehmen. Solche mythologischen Figuren sind ebenfalls für ältere Kulturen im asiatischen oder orientalischen Raum belegt: dort treten sie in Form von meist geflügelten Dämonen auf, die ebenfalls die Befehle ihrer höherstehenden Gottheiten in der menschlichen Welt ausführen.


Persönliche Beschützer, die dem Menschen an die Seite gestellt sind, treten dagegen in der altnordischen Literatur des öfteren auf. Sie werden dort als Fylgjen, eine Art „Folgegeister“ und individuelle Schutzgeister beschrieben. Rudolf Simek, Professor für Skandinavistik und Germanistik an der Universität Bonn, ordnet diese Fylgjen in seinem Buch „Religion und Mythologie der Germanen“ den sogenannten „Disen“ zu. Als Disen werden ganz allgemein verehrungswürdige oder mythologische Frauengestalten bezeichnet. In der Regel sind mit „Disen“ allerdings weibliche Gestalten aus der jenseitigen Welt gemeint. Zu ihnen gehören neben den Fylgjen die in unserer modernen Kultur bekannteren Walküren, welche nach landläufiger Auffassung die Helden vom Schlachtfeld nach Walhall geleiteten oder auch die als „Schicksalsspinnerinnen“ bezeichneten Nornen.

Fylgjen wurden dementsprechend bis auf wenige Ausnahmen, in denen sie in Tiergestalt auftraten, als weibliche Gestalten vorgestellt, die von hellsichtigen Menschen auch gesehen werden konnten. Fylgjen wurden warnende, schützende und teilweise prophetische Fähigkeiten zugesprochen, mit denen sie „ihren“ Menschen unterstützten.
In der Schlacht war so die Fylgja einer Person ebenso gefürchtet, wie der Krieger selbst, sie warnte ihn vor Gefahren und half ihm im Kampf: offenbar wurden den Fylgjen also reale Kräfte und Macht in der diesseitigen Welt zugeschrieben. (vgl. Simek a.a.O., S.124f)

Adäquat zu stammesgermanischen Vorstellungen eines starken Familienverbandes ist bei den Fylgjen ihr starker Familienaspekt hervorzuheben: einerseits konnten sie, wie erwähnt, innerhalb der Familie weitervererbt werden, andererseits finden sich im altnordischen auch Bezeichnungen wie „aettarfylgja“ oder „kynfilgja“ (Familienfylgja). ((vgl. Simek, S.202)
Möglicherweise lassen sich hier noch weitere Rückschlüsse ziehen: laut Simek weist die “Fylgja” eine Verwandtschaft zur Vorstellung der „Hamingja“ auf: Hamingja bedeutet soviel wie „das personifizierte Glück einer Person“. (Simek, S.203)
In der germanischen Vorstellungswelt dürfte „Glück“ nicht ausschliesslich etwas gewesen sein, was einer Person zufällig begegnet: „Glück“ oder „Heil“ könnten Eigenschaften beschrieben haben, die sich ein Mensch aufgrund seiner Lebensführung, seines Mutes und seiner Taten zu einem großen Teil erarbeiten oder erwerben konnte.
Im Rückschluss liegt es nahe, dass auch die Fylgja oder die Hamingja einer Person, einer Sippe oder eines Stammes Veränderungen unterworfen war: je nachdem, wie ehrenhaft sich die Menschen im einzelnen oder im Verband verhielten, konnten vielleicht auch ihre „Helfer aus dem Geisterreich“ stärker oder schwächer erscheinen oder ganz bestimmte Charaktermerkmale aufweisen, die sicher nicht unveränderlich festgeschrieben waren.

Eine solche Vorstellung wurde den christlichen Schutzengeln stark widersprechen: Engel helfen und schützen unabhängig vom „guten“ Lebenswandel einer Person, sie sind immer da, um den Menschen zu retten und ihn zu „Gott“ zurückzugeleiten. Ein Engel ist eine vom Menschen völlig unabhängige Wesenheit, die im Auftrag Gottes handelt und immer auf der starken und „richtigen“ Seite steht.
Bei dem von mir angedachten germanischen Weltbild wäre die Stärke, die Kraft und der Charakter eines „Begleitwesens“ deutlich von dem Verhalten und den Taten des jeweiligen Menschen oder Gruppenverbandes abhängig: Mensch und Geistwesen wären also in einer Art Abhängigkeitsverhältnis und auch charakterlich vom jeweils anderen beeinflussbar.
So könnte ein mächtiger Schutzgeist nur entstehen, wenn sich der entsprechende Mensch tapfer und tugendhaft verhält. Seine Taten und Verdienste würden sich in seinem Schutzgeist verkörpern, der ihm umgekehrt in schwierigen Situationen mit mehr Fähigkeiten unterstützen kann. Wie es häufiger bei traditionellen Stammesverbänden zu finden ist, gäbe es also keine „geistigen und göttlichen Kräfte“ die mich unabhängig von meinem alltäglichen Verhalten und tun lieben (solange ich nur „glaube“ oder regelmässig „Buße“ für Verstoß gegen die Gebote übe), wie es in der christlichen Mythologie üblicher Glaubensvorstellung entspricht, sondern ich wäre in einem gewissen Sinne „meines Glückes Schmied“. Gerade auch, was die Unterstützung aus der jenseitigen Welt betrifft: diese erfolgt nicht unabhängig von meinen Taten, sondern steht in direkter Relation zu ihnen.
Praxis der Aphrodisia



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danke für den guten...
danke für den guten artikel
glaeserruecken - 26. Sep, 14:54
vielen dank für...
vielen dank für den guten post
glaeserruecken - 26. Sep, 14:49
ein schneller Gedanke
Wie weit geht denn diese "Idee" des Verzeihens? Eine...
IkarosSikinnos - 17. Apr, 11:36
Ich glaube nicht, das...
Ich glaube nicht, das die Griechen die Handlungen ihrer...
babu (Gast) - 31. Mrz, 21:36
Klingt alles sehr gut! Ich...
Klingt alles sehr gut! Ich freu mich schon auf das...
larissa-laura - 27. Mrz, 18:37
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