HandWerk von Richard Sennett
Über 300 Seiten von Richard Sennetts Werk habe ich nun hinter mir. Ob ich die restlichen gut 130 auch noch schaffen werde? Leider muss ich das bezweifeln. So beeindruckend Sennetts Persönlichkeit in der direkten Diskussion ankommt, so sehr langweilte mich sein Buch. Ich kann mich auch erinnern, es ging mir schon einmal so. Was man seinem aktuellen Werk zugute halten muss: es ist auf jeden Fall leicht verständlich. Mein Wissen über die zehntausendjährige Geschichte der Ziegelsteinherstellung hat sich deutlich erhöht. Ebenso bin ich über alte Handwerkskünste wie Glasbläserei, Töpfern, Geigenbau sowie diverse französische Kochrezepte bestens informiert.
Was mich eigentlich interessierte, blieb weitgehend auf der Strecke bei dieser Fülle an langatmigem Detailwissen. Orginelle Gedankengänge, die über die bereits in der Diskussion am Freitag hinausgehen, finden sich kaum. Die gesellschaftlichen Auswirkungen auf das zunehmende Verschwinden der Handwerkskunst werden wenig behandelt, ebenso vermisse ich weitere Beispiele, auf welche Lebensbereiche sich die handwerklichen Fertigkeiten und ihre Auswirkungen auf das alltägliche Leben ausdehnen lassen. Passagen wie diese haben im Buch leider Seltenheitswert:
"Es mag der Eindruck entstehen, dass dieses Verständnis guten Übens der Verbindlichkeit zu geringe Bedeutung beimißt, doch ein verbindliches Engagement dieser Art hat zwei Seiten: die Entscheidung, dass eine Sache es wert sei, getan zu werden, oder dass eine bestimmte Person es wert sei., Zeit mir ihr zu verbringen; und die Pflicht, die wir gegenüber einer Sitte oder den Bedürfnissen eines Menschen empfinden. Der Rhythmus organisiert eine Verbindlichkeit im zweiten Sinne. Wir lernen, wie wir eine Pflicht immer wieder erfüllen. Theologen haben schon vor langer Zeit gezeigt, dass religiöse Rituale wiederholt werden müssen, wenn sie Überzeugungskraft erlangen sollen: Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Die Wiederholung sorgt für Stabilität, doch in der religiösen Übung wird sie deshalb nicht schal. Der Zelebrierende antizipiert jedes Mal, dass etwas Bedeutendes geschehen wird." (a.a.O., S.238)
Was mich eigentlich interessierte, blieb weitgehend auf der Strecke bei dieser Fülle an langatmigem Detailwissen. Orginelle Gedankengänge, die über die bereits in der Diskussion am Freitag hinausgehen, finden sich kaum. Die gesellschaftlichen Auswirkungen auf das zunehmende Verschwinden der Handwerkskunst werden wenig behandelt, ebenso vermisse ich weitere Beispiele, auf welche Lebensbereiche sich die handwerklichen Fertigkeiten und ihre Auswirkungen auf das alltägliche Leben ausdehnen lassen. Passagen wie diese haben im Buch leider Seltenheitswert:
"Es mag der Eindruck entstehen, dass dieses Verständnis guten Übens der Verbindlichkeit zu geringe Bedeutung beimißt, doch ein verbindliches Engagement dieser Art hat zwei Seiten: die Entscheidung, dass eine Sache es wert sei, getan zu werden, oder dass eine bestimmte Person es wert sei., Zeit mir ihr zu verbringen; und die Pflicht, die wir gegenüber einer Sitte oder den Bedürfnissen eines Menschen empfinden. Der Rhythmus organisiert eine Verbindlichkeit im zweiten Sinne. Wir lernen, wie wir eine Pflicht immer wieder erfüllen. Theologen haben schon vor langer Zeit gezeigt, dass religiöse Rituale wiederholt werden müssen, wenn sie Überzeugungskraft erlangen sollen: Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Die Wiederholung sorgt für Stabilität, doch in der religiösen Übung wird sie deshalb nicht schal. Der Zelebrierende antizipiert jedes Mal, dass etwas Bedeutendes geschehen wird." (a.a.O., S.238)
Stefanie Imann - 6. Mrz, 16:27






