Richard Sennett in Köln
Gestern abend zur Eröffnung der Lit Cologne besuchten wir bei stürmischen Wetter eine Diskussion und Lesung mit dem bekannten Soziologen Richard Sennett in der Kulturkircher Köln.. Beeindruckt hat mich die Menschenfreundlichkeit und Bescheidenheit dieses Mannes auf den ersten Blick. Noch sympathischer wurde er mir, als er die Diskussion nach gut 1, 5 Stunden beenden wollte, um draußen eine Zigarette zu rauchen. Dieses Vorhaben jedoch wurde von der Moderatorin vereitelt. Leider? Für mich als Raucherin vielleicht, trotzdem war ich auch die nächsten 20 Minuten weiterhin gefesselt.
Sennett stellte sein neuestes Buch "HandWerk" (Berlin Verlag; Auflage: 1, 10. Januar 2008) vor. "Handwerk" versteht sich eher im englischen Sprachgebrauch als im deutschen. Sennett spricht hier nicht nur vom klassischen Handwerker, also Schreiner, Maler, Mauerer, sondern er dehnt den Begriff auf "Fertigkeiten" aus. Diese Fertigkeiten schließen ebenso das Tun von Musikern, Programmierern, Laboranten, Schriftstellern, etc. ein. Im Gegensatz zu seiner Lehrerin Hannah Arendt räumt Sennett dem Homo faber einen größeren Stellenwert und Beitrag zum öffentlichen Leben ein, wenn er von den Verhaltensweisen moderner Linux - Programmierer spricht: " Am "griechischten" ist Linux in seinem unpersönlichen Charakter. In Linux -Online- Workshops vermag man unmöglich zu erkennen, ob "aristotle@mit.edu" nun ein Mann oder eine Frau ist. [...] Ähnlich unpersönlich ging es auch bei den archaischen Handwerkern zu. In der Öffentlichkeit wurden die demioergoi oft mit dem Namen ihres Berufsstandes angesprochen. Tatsächlich hat Handwerk stets etwas in dieser Weise Unpersönliches. [...] Dass Sie eine neurotische Beziehung zu Ihrem Vater haben, ist keine Entschuldigung dafür, dass Ihre Schwalbenschwanzverbindung nicht fest sitzt.[...] Man könnte auch sagen, dieses unverhohlen Unpersönliche bringt die Menschen dazu, sich nach außen zu wenden." (a.a.O., S. 41f.)
Für mich natürlich interessant, hier eine Verbindung zu meiner Massagetätigkeit aufzubauen. Von Sennett sind noch weitere zwei Bücher geplant, die ebenfalls für mich spannende Fragestellungen aufwerfen werden: Krieger und Priester, eine Studie die sich "mit der Gestaltung von Ritualen zum Umgang mit Aggression und Glaubenseifer" (a.a.O., S. 18f.) befassen wird, sowie der dritte Band Der Fremde, der "die Fähigkeiten erkunden [soll], die erforderlich sind, um eine dauerhafte Umwelt zu schaffen und darin zu leben." (a.a.O., S.19)
Abschließend bleibt noch ein weiterer Pluspunkt Sennetts zu nennen: da die Diskussion auf Englisch stattfand, versprach er, langsam und deutlich zu sprechen - was er tatsächlich den gesamten Abend über durchhielt.
Sennett stellte sein neuestes Buch "HandWerk" (Berlin Verlag; Auflage: 1, 10. Januar 2008) vor. "Handwerk" versteht sich eher im englischen Sprachgebrauch als im deutschen. Sennett spricht hier nicht nur vom klassischen Handwerker, also Schreiner, Maler, Mauerer, sondern er dehnt den Begriff auf "Fertigkeiten" aus. Diese Fertigkeiten schließen ebenso das Tun von Musikern, Programmierern, Laboranten, Schriftstellern, etc. ein. Im Gegensatz zu seiner Lehrerin Hannah Arendt räumt Sennett dem Homo faber einen größeren Stellenwert und Beitrag zum öffentlichen Leben ein, wenn er von den Verhaltensweisen moderner Linux - Programmierer spricht: " Am "griechischten" ist Linux in seinem unpersönlichen Charakter. In Linux -Online- Workshops vermag man unmöglich zu erkennen, ob "aristotle@mit.edu" nun ein Mann oder eine Frau ist. [...] Ähnlich unpersönlich ging es auch bei den archaischen Handwerkern zu. In der Öffentlichkeit wurden die demioergoi oft mit dem Namen ihres Berufsstandes angesprochen. Tatsächlich hat Handwerk stets etwas in dieser Weise Unpersönliches. [...] Dass Sie eine neurotische Beziehung zu Ihrem Vater haben, ist keine Entschuldigung dafür, dass Ihre Schwalbenschwanzverbindung nicht fest sitzt.[...] Man könnte auch sagen, dieses unverhohlen Unpersönliche bringt die Menschen dazu, sich nach außen zu wenden." (a.a.O., S. 41f.)
Für mich natürlich interessant, hier eine Verbindung zu meiner Massagetätigkeit aufzubauen. Von Sennett sind noch weitere zwei Bücher geplant, die ebenfalls für mich spannende Fragestellungen aufwerfen werden: Krieger und Priester, eine Studie die sich "mit der Gestaltung von Ritualen zum Umgang mit Aggression und Glaubenseifer" (a.a.O., S. 18f.) befassen wird, sowie der dritte Band Der Fremde, der "die Fähigkeiten erkunden [soll], die erforderlich sind, um eine dauerhafte Umwelt zu schaffen und darin zu leben." (a.a.O., S.19)
Abschließend bleibt noch ein weiterer Pluspunkt Sennetts zu nennen: da die Diskussion auf Englisch stattfand, versprach er, langsam und deutlich zu sprechen - was er tatsächlich den gesamten Abend über durchhielt.
Stefanie Imann - 1. Mrz, 21:18






