" Eine Frage: Was glaubt ihr, dass eine Trollin eher »bumst« oder »verkehrt« ? " (Hans Peter Duerr)

Verhältnis zur Natur im antiken Griechenland

Jean – Pierre Vernant spannt in „Der Mensch der griechischen Antike“ einen Bogen von den Göttern hin zur als „göttlich“ betrachteten Natur im griechischen Weltbild. „Die physis ein Terminus, den wir mit dem Begriff „Natur“ übersetzen, wenn wir, Aristoteles folgend, davon sprechen, dass die Philosophen der Schule von Milet im 6. Jahrhundert v. Chr. die ersten waren, die eine historia peri physeos, eine Studie über die Natur, vornahmen – diese physis – Natur hat wenig mit dem gemein, was heute Gegenstand unserer Naturwissenschaften oder der Physik ist. Ob sie das Wachstum der Pflanzen bewirkt, die Fortbewegung der Lebewesen ermöglicht oder die Bahnen der Gestirne lenkt, die physis ist eine beseelte und lebendige Kraft. Für den „Physiker“ Thales haben sogar die unbelebten wie zum Beispiel Steine eine psyche, welche zugleich „Atem“ und „Seele“ ist, während für uns der erster dieser Begriffe eine materielle und der zweite eine geistige Konnotation hat. Beseelt, inspiriert, lebendig – die Natur steht durch ihre Dynamik dem Göttlichen und durch ihr Lebendigsein uns selbst, als Menschen, nahe.
(aus: Einführung - Der Mensch des Antiken Griechenland, Jean-Pierre Vernant, in: Der Mensch der griechischen Antike von Jean-Pierre Vernant (Hrsg.), Fischer Verlag, Frankfurt 1996, S. 11)

Im griechischen Verständnis ist die Natur an sich „daimonia“ also „dämonisch“, ebenso wie die Seele des Menschen ein „daimon“ ist. Somit besteht zwischen Natur und Mensch ein unmittelbarer Zusammenhang: stirbt der Mensch, verlässt ihn sein „daimon“ und kehrt als unpersönliche Wesenheit in die Natur zurück. Der Mensch ist in dieser Weltsicht nicht ein unabhängiger Betrachter der Welt, sondern mit seinem gesamten Denken, Fühlen, wahrnehmen ein Teil von ihr:

„Der Mensch gehört zur Welt, der er verwandt ist und die er durch Widerhall oder heimliches Einverständnis kennt. Das Wesen des Menschen ist ursprünglich ein Auf-der-Welt-Sein. Wenn diese Welt ihm fremd wäre, wie wir heute annehmen, wenn sie ein reines Objekt aus Raum und Bewegung wäre, das einem denkenden und urteilsfähigen Subjekt gegenüberstünde, dann könnte der Mensch tatsächlich nur mit ihr kommunizieren, wenn er sie mit seinem eigenen Bewusstsein gleichsetzte. Für den Griechen ist jedoch ist die Welt nicht jenes verdinglichte äußere Universum, welches vom Menschen durch die unüberwindliche Barriere zwischen Materie und Geist, zwischen dem Physischen und dem Psychischen getrennt ist. Der Mensch lebt mit dem beseelten Universum, mit dem er in jeder Hinsicht verbunden ist, in enger Gemeinschaft.“ (a.a.O.; S. 19f.)

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