" Eine Frage: Was glaubt ihr, dass eine Trollin eher »bumst« oder »verkehrt« ? " (Hans Peter Duerr)

Eigentum im antiken Griechenland

"Obwohl die griechische Welt eine Welt der Städte war und das städtische Leben einen wesentlichen Platz einnahm, bildete die Landwirtschaft die Haupttätigkeit der meisten Mitglieder der Bürgerschaft. [...] Das Ideal der Autarkie, das die Philosophen des 4. Jahrhunderts in ihren utopischen Entwürfen verfochten, ist Ausdruck dieser Realität: Der griechische Mensch lebte vor allem vom Ertrag seines Grundbesitzes, und um die Funktionsfähigkeit der Polis zu gewährleisten, mussten alle Mitglieder der Bürgerschaft über solchen verfügen. Die Verbindung zwischen Boden und Bürger war dergestalt, dass nicht nur in vielen Städten allein Grundbesitzer Bürger sein konnten, sondern dass auch überall nur Bürger Grund und Boden besitzen konnten.“
(aus: Homo oeconomicus, Claude Mossé, in: Der Mensch der griechischen Antike von Jean-Pierre Vernant (Hrsg.), Fischer Verlag, Frankfurt 1996, S. 32)

Selbstverständlich standen den damaligen, bürgerlichen Landwirten Sklaven in unterschiedlicher Zahl zur Verfügung, die in der Regel die real anfallende Arbeit ausführten. Unter „oiconomia“ wurde die Wissenschaft, sein Haus gut zu verwalten, verstanden. Für eine „Ökonomie“, die Produktion und Handel mit einschloss, wie wir sie heute kennen, hatten die antiken Griechen keinen eigenen Begriff. (a.a.O. S.31)
In den “Memorabilia” des Xenophon finden wir den Idealtyp des Grundbesitzers geschildert: er selbst verfügt über genügend eigene Mittel, um nicht arbeiten zu müssen, eine Vielzahl von Sklaven steht ihm zur Verfügung. Nirgendwo ist davon die Rede, dass mit dem Grundbesitz auch eine Profitquelle zur Verfügung steht, die über den eigenen Bedarf des Haushaltes hinausgeht. Der Erwerb von Reichtum besass, zumindest theoretisch und in den Utopien der Philosophen, keinen Wert an sich. (a.a.O. S.36f)

Auch Hannah Arendt greift in “Vita activa” auf die griechische Antike zurück. Sie trifft eine interessante Unterscheidung zwischen „Eigentum“ und „Besitz“. „Eigentum“ ist nach dieser Definition ein realer Ort in der Welt und somit unbeweglich. Gleichzeitig war dieser Ort „identisch mit der Familie, die diesen Ort einnahm“ (Vita activa – Vom tätigen Leben, Piper, 3.Auflage 2005, S.77). „Besitz“ wären in diesem Sinne alle „beweglichen Güter“, in unserer modernen Welt auch das Kapital.
Nach Arendts Meinung schafft Eigentum dem Menschen einen Ort in der Welt, der ihm privat zu eigen ist und an dem er schalten und walten kann, wie es ihm beliebt. Mit der Sicherheit dieses Ortes, der ihm gleichzeitig als Nahrungsquelle dient und die Grundversorgung des gesamten Haushaltes sicherstellt, kann der Mensch sich in den öffentlichen Raum der Polis begeben und dort für das Gemeinwohl tätig werden.
Besitz und Reichtum dagegen konnten auch Sklaven und beispielsweise Handwerker erwerben. Unter Umständen konnte so ein Sklave „reicher“ als ein griechischer Bürger werden – da ihm jedoch das „Eigentum“, der Ort in der Welt fehlte (und somit die Bürgerrechte) blieb ihm die Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten des Stadtstaates verwehrt.

„Das Band zwischen Land und Stadt war aber nicht nur „ökonomischer“ sondern auch religiöser und in den meisten griechischen Poleis politischer Natur, da nicht nur ausschließlich Bürger Grundeigentümer sein konnten, sondern weil man häufig auch Grundeigentümer sein musste, um Bürger werden zu können. Unter diesen Voraussetzungen wird verständlich, warum die Handwerksberufe nur geringgeschätzt wurden.“ (Homo oeconomicus, a.a.O. S. 39)

Diese Verbindung zwischen Landeigentum und politischer Betätigung wird von Hannah Arendt in „Vita activa“ immer wieder betont: „Das Eigentum selbst wiederum war mehr als nur eine Wohnstätte, es bot als Privates den Ort, an dem sich vollziehen konnte, was seinem Wesen nach verborgen war, und seine Unantastbarkeit stand daher in engster Verbindung mit der Heiligkeit von Geburt und Tod, mit dem verborgenen Anfang und dem verborgenen Ende der Sterblichen, die wie alles Leben aus dem Dunkel kommen und in das Dunkel eines unterirdischen Reiches zurückkehren.“ (Vita activa, a.a.O. S. 77)
Dieser Ort verschafft eine Rückverbindung zu den notwendigen Lebensprozessen, denen jeder Mensch unterworfen ist. Ohne diese Anbindung an ein natürliches Werden und Vergehen, dem Naturkreislauf, wird der Mensch zum Konsumenten der Natur. Stehen materieller Reichtum, Konsum – und Gebrauchsgüter an erster Stelle der Werteskala und nicht mehr das Land als Ernährer des Menschen, so kann dieses Land ausgebeutet werden. Sind die Ressourcen aufgebraucht, sieht man sich nach neuen Möglichkeiten dieser Plünderung um – eine Bindung, die auch über mehrere Generationen zu dem Land besteht, existiert in den seltensten Fällen.

Das System und Denken griechischen „Polis“, dem öffentlichen Raum, ist heutzutage der Vorstellung eines überdimensionierten „Staatshaushaltes“ gewichen. Dieser ist zwar um ein zigfaches größer als der Privathaushalt unterscheidet sich aber kaum von diesem: auch in den modernen Nationalstaaten geht es hauptsächlich um die grundsätzliche Bedürfnissbefriedigung der Lebensnotwendigkeiten. Diese „Lebensnotwendigkeiten“ die im antiken Griechenland auf Nahrung, Kleidung, Wohnen beschränkt blieben, sind heutzutage um eine Vielzahl an Konsum – und Gebrauchsgütern erweitert worden. Um diese Güter erwerben zu können, muss Geld erwirtschaftet werden, das in ebendiese Güter investiert wird. Um die Güter zu produzieren, müssen die Ressourcen des Landes ausgebeutet werden - in unseren modernen Industriestaaten zu einem Großteil die Ressourcen von ärmeren Drittländern, die somit ebenfalls ihres Eigentums und ihres realen Ortes in der Welt beraubt werden.
Platz für die Sorge um ein „Gemeinwohl“ sowie die Fürsorge für den eigenen Grund- und Boden geht verloren.
Der Mensch wird zum „animal laborans“ der seine Lebenszeit und die Güter um ihn herum in immer schnelleren Zeitperioden aufzehrt. Die durch bessere Produktionsmöglichkeiten gewonnene Zeit wird dabei nicht in die Pflege des gemeinsamen Lebensraumes investiert, sondern zum größten Teil in „Hobbies“, die teilweise ebenfalls auf Konsum – und Verzehr ausgerichtet sind.
Dieser gemeinsame, öffentliche Lebensraum wird nicht mehr als zu schützender und entwickelnder Wert verstanden, sondern als Möglichkeit gesehen, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern und den eigenen Reichtum zu vergrößern. Eine Erwartung, die im antiken Griechenland an den eigenen "Privathaushalt" gestellt wurde und nicht an den Staat. Das eigentlich "Private" ist somit zum Öffentlichen und Politischen geworden. Ein "öffentlicher Raum" wie die griechische Polis in darstellte, existiert allenfalls nur noch in Nischen.
Menschliche Wertvorstellungen haben sich, weg von der Sorge um die größere Gemeinschaft, zugunsten der Anhäufung privaten Reichtums und damit verbunden mit lukrativen Arbeitsplätzen, verschoben.

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