" Eine Frage: Was glaubt ihr, dass eine Trollin eher »bumst« oder »verkehrt« ? " (Hans Peter Duerr)

Heidnische Sexträume

Foucault stellte bei seinen Studien zum Thema Sexualität fest, dass es schon in antiken Kontexten ähnliche Vorstellungen über eine sexuelle Moral gab, wie sie in der „Elefantengeschichte“ geschildert wird: „Die meisten von uns dürften dazu neigen, dieses Muster dem Christentum oder der modernen christlichen Gesellschaft, wie sie sich unter dem Einfluss der kapitalistischen oder der sogenannten bürgerlichen Moral entwickelt hat, zuzuschreiben. Als ich aber dieses Modell zu studieren begann, stellte ich mit Überraschung fest, dass man es schon in der römischen und sogar in der hellenistischen Literatur finden kann. Man findet dieselben Ideen, dieselben Wörter und eventuell denselben Hinweis auf den Elefanten. Es ist eine Tatsache, dass die heidnischen Philosophen in den Jahrhunderten vor und nach dem Tod Christi eine Sexualethik vorschlugen, die teilweise neu war, aber große Ähnlichkeiten mit der christlichen Ethik aufwies. In unserem Seminar ist sehr überzeugend betont worden, dass dieses philosophische Modell sexuellen Verhaltens, dieses Elefantenmodell, damals nicht das einzige bekannte und praktizierte war. Es stand in Konkurrenz zu verschiedenen anderen. Aber dieses Modell wurde bald vorherrschend, weil es auf eine gesellschaftliche Transformation bezogen war, die die Auflösung der Stadtstaaten, die Entwicklung der imperialen Bürokratie und den wachsenden Einfluss der provinziellen Mittelklasse einschloss.“
(aus: Von der Freundschaft - Michel Foucault im Gespräch, Merve Verlag, Berlin, S. 39)

Foucault führt weiter aus, dass in dieser Zeit die Transformation der Gesellschaft zugunsten des Elefantenmodells von statten ging: hin zur eng eingegrenzten Familievorstellnung, Treue, Monogamie in der Ehe. Offenbar wurde dieses Modell nicht von den Christen erfunden, doch in die christliche Ethik mit aufgenommen und dort verstärkt. So hat das Christentum keinen neuen Sexualcode erfunden sondern wichtige Veränderungen in der Beziehung des Einzelnen zu seiner Sexualität herbeigeführt.
Dem schon beschriebenen Beispieltext von Augustinus, der den Mensch auf die Erforschung seiner eigenen, (sündigen) Wünsche zurückwirft und ihn anhält, diese durch ständige Selbstüberprüfung zu überwinden, stellt Foucault ein anderes Weltbild gegenüber. Er wählte dazu den heidnischen Philosophen Artemidor aus, der im dritten Jahrhundert nach Christi ein Buch über die Traumdeutung schrieb. Drei Kapitel sind dort der Deutung sexueller Träume gewidmet. Artemidor untersucht dort die prognostische Verwertbarkeit von Träumen. Ebenso wie Augustinus bezieht er sich nur auf die männliche Seite des Sexualaktes.

Für den heidnischen Gelehrten war bei der Deutung sexueller Träume wichtig, welche gesellschaftliche Position die Frau hatte, die vom Mann penetriert wurde. Schlief jemand im Traum beispielsweise mit seiner Mutter, so konnte dies gesellschaftlichen Aufstieg und Erfolg bedeuten. Die Mutter wurde hier als Symbol der Stadt oder des Landes gesehen.
Jeder Traum, auch sexuelle Träume, wurden in einem sozialen, politischen und gesellschaftlichen Kontext gesehen. Es ging dabei nicht darum, wie heutzutage in der von Freud massgeblich beeinflussten modernen Psychologie, um die Erforschung des eigenen Inneren, der eigenen seelischen Wünsche und Begehrlichkeiten, sondern um die eigene Stellung innerhalb der sozialen Gemeinschaft. Der Traum wurde also im Kontext des sozialen Status einer Person gedeutet und die Möglichkeiten einer Veränderung der Stellung innerhalb der damaligen Gesellschaft.
Sexuelle Beziehungen sind somit nach Artemidor nicht vom sozialen Beziehungsgeflecht getrennt zu betrachten. Die damaligen Menschen erscheinen in ihrem sexuellen Erleben nicht alleine und ausschließlich auf ihr eigenes, inneres Begehren zurückgeworfen. Sexualität findet in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext statt und wird in diesem Sinne wahrgenommen.

Interessant ist an dieser Stelle ebenfalls, dass es Artemidor um die Penetration ging, einer Handlung zwischen zwei Menschen, während der Focus Augustinus einzig auf der Erektion liegt und somit ohne zwischenmenschliche Interaktion auskommt.
Praxis der Aphrodisia



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Wie weit geht denn diese "Idee" des Verzeihens? Eine...
IkarosSikinnos - 17. Apr, 11:36
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babu (anonym) - 31. Mrz, 21:36
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