Sex mit Büffeln
Bei einigen nordamerikanischen Stämmen wurde die Frau auch als „Gefäß“ der göttlichen Kraft des Großen Geistes gesehen. Die Mandan kennen eine Zeremonie, die „Mit den Büffeln gehen“ oder „Mit den Büffeln koitieren“ hieß. Dabei schliefen verheiratete Frauen mit älteren, mächtigen Männern, um deren Kraft an ihre eigenen Ehemänner weiterzugeben. So konnten diese jüngeren Männer die benötigte Kraft gewinnen, um gefährliche Unternehmungen oder Kriegszüge erfolgreich zu Ende zu bringen.
Diese Frauen gingen „mit den Büffeln“ in die Büsche, was bedeutet, dass machtvolle Männer offenbar mythische Büffel repräsentierten. Die Cheyenne vollzogen diese Art des Beischlafs indem sich die beteiligten Schamanen in Büffelfelle hüllten und auf Büffelfellen miteinander schliefen. Der Mann paarte sich als Büffelstier mit einer Frau als Büffelkuh.
(Hans Peter Duerr, Sedna oder die Liebe zum Leben, Suhrkamp 1984)
Gerade in Krisenzeiten, wenn die Jagdbeute ausblieb oder die Ernte schlecht ausfiel, wurde diese Art der „Heiligen Hochzeit“ durchgeführt. Offenbar ging man davon aus, dass der Beischlaf zwischen mächtigen Wesen einen Einfluss auf die Anzahl der jagdbaren Tiere und die Ernte habe. Ähnliche Fruchtbarkeitsriten finden sich natürlich auch im europäischen Raum und werden heutzutage von naturreligiösen Menschen zu den entsprechenden Festtagen, wie Beltaine (Erster Mai), meist in stark abgemilderter Form, nachvollzogen.
An solchen mythologischen Erzählungen wird deutlich, dass dem (rituellen) sexuellen Akt eine große Macht zugesprochen wurde: er hatte die Kraft, ein Volk am Leben zu erhalten, Nahrungsfülle zu bringen und das Land erblühen zu lassen.
Schaut man sich moderne westliche Menschen an, lässt sich nur konstatieren, dass dieses alte Wissen um die sexuelle Kraft offenbar komplett in Vergessenheit geraten ist: in deutschen Schlafzimmern (quer durch alle Bevölkerungsschichten) dürften der sexuellen Vereinigung im Durchschnitt nicht mehr als zehn Minuten gewidmet werden und das maximal zweimal die Woche.
Von gesellschaftlich anerkannten, in der Öffentlichkeit durchgeführten Sexualzeremonien kann selbstverständlich keine Rede sein. Es sei denn, man zieht den für den Verkauf von Konsumgütern eingesetzten (halb)nackten weiblichen Körper als "öffentliches Ritual" in Betracht.
Menschen, die sich eingehender mit praktisch gelebter „Sexualmagie“ im weitesten Sinne beschäftigen, beispielsweise indem sie an entsprechenden Ritualen teilnehmen, sind sich des Potentials dieser Kräfte bewusst: die rituelle Vereinigung zwischen zwei Menschen setzt auch für aussenstehende Beobachter deutlich wahrnehmbare Schwingungen im Raum frei.
Selbst bei einseitiger sexueller Ekstase, beispielsweise in den bereits erwähnten tantrischen Massageritualen, sind erfahrbar andere Kräfte am Wirken, als in der Regel beim „normalen“ sexuellen Akt.
Häufig berichten Menschen nach einer solchen Massageerfahrung, dass sie das Gefühl hätten, aus einer anderen Welt zurückgekehrt zu sein. Die Augen glänzen, der eigene Körper wird deutlicher wahrgenommen – einerseits fühlt man sich völlig im „hier und jetzt“ andererseits ist während einer sinnlichen Massage oft jegliches Zeitempfinden aufgehoben. Die Wahrnehmung für die eigenen Bedürfnisse schärft sich, Berührungen werden mit allen Sinnen erfasst, der Orgasmus durchzieht in Wirbeln und Wellen den gesamten Menschen, der in diesem Moment nur noch aus Körper besteht und sich doch teilweise beinahe körperlos vorkommen kann.
Von einigen wird diese Art des Erlebens nicht mit „Sexualität“ identifiziert, für sie kommt etwas anderes ins Spiel: ein starkes Gefühl des „Satt - Seins“ auf allen Ebenen tritt ein. Es ist, als habe man in einer anderen, fast schon unkörperlichen Welt neue Kräfte erhalten, neue Erfahrungen gesammelt. Manchem begegnet die massierende Frau als unpersönliches Wesen, fast schon als Göttin, die das eigene Erleben und Bewusstsein erweitert hat. Die Frau wird in diesem Sinne dann nicht mehr als „Sexualpartner“ erlebt, sondern als schenkende und gebende Kraft, die unpersönlich wirkt. Innere Ruhe und Harmonie stellen sich ein, neue Ideen können entstehen, man fühlt sich ausgeglichen und kraftvoll. Sexuelle Rituale können auf das Leben durchaus „befruchtend“ wirken, wenn ihnen der Raum zur Entfaltung ihrer Kraft zugestanden wird. Allerdings ist das Bewusstsein über die „sexuelle Magie“ heutzutage nicht mehr allzu weit verbreitet und ob indianische „Büffelzeremonien“ dieses Wissen wieder verankern könnten, bleibt zu bezweifeln.
Jedoch kann es durchaus lohnenswert sein, sich hier auf die Suche nach zeitgemäßen Formen sexueller Rituale zu machen – möglicherweise wird dadurch nicht nur das Leben in den eigenen vier Schlafzimmer Wänden bereichert...
Diese Frauen gingen „mit den Büffeln“ in die Büsche, was bedeutet, dass machtvolle Männer offenbar mythische Büffel repräsentierten. Die Cheyenne vollzogen diese Art des Beischlafs indem sich die beteiligten Schamanen in Büffelfelle hüllten und auf Büffelfellen miteinander schliefen. Der Mann paarte sich als Büffelstier mit einer Frau als Büffelkuh.
(Hans Peter Duerr, Sedna oder die Liebe zum Leben, Suhrkamp 1984)
Gerade in Krisenzeiten, wenn die Jagdbeute ausblieb oder die Ernte schlecht ausfiel, wurde diese Art der „Heiligen Hochzeit“ durchgeführt. Offenbar ging man davon aus, dass der Beischlaf zwischen mächtigen Wesen einen Einfluss auf die Anzahl der jagdbaren Tiere und die Ernte habe. Ähnliche Fruchtbarkeitsriten finden sich natürlich auch im europäischen Raum und werden heutzutage von naturreligiösen Menschen zu den entsprechenden Festtagen, wie Beltaine (Erster Mai), meist in stark abgemilderter Form, nachvollzogen.
An solchen mythologischen Erzählungen wird deutlich, dass dem (rituellen) sexuellen Akt eine große Macht zugesprochen wurde: er hatte die Kraft, ein Volk am Leben zu erhalten, Nahrungsfülle zu bringen und das Land erblühen zu lassen.
Schaut man sich moderne westliche Menschen an, lässt sich nur konstatieren, dass dieses alte Wissen um die sexuelle Kraft offenbar komplett in Vergessenheit geraten ist: in deutschen Schlafzimmern (quer durch alle Bevölkerungsschichten) dürften der sexuellen Vereinigung im Durchschnitt nicht mehr als zehn Minuten gewidmet werden und das maximal zweimal die Woche.
Von gesellschaftlich anerkannten, in der Öffentlichkeit durchgeführten Sexualzeremonien kann selbstverständlich keine Rede sein. Es sei denn, man zieht den für den Verkauf von Konsumgütern eingesetzten (halb)nackten weiblichen Körper als "öffentliches Ritual" in Betracht.
Menschen, die sich eingehender mit praktisch gelebter „Sexualmagie“ im weitesten Sinne beschäftigen, beispielsweise indem sie an entsprechenden Ritualen teilnehmen, sind sich des Potentials dieser Kräfte bewusst: die rituelle Vereinigung zwischen zwei Menschen setzt auch für aussenstehende Beobachter deutlich wahrnehmbare Schwingungen im Raum frei.
Selbst bei einseitiger sexueller Ekstase, beispielsweise in den bereits erwähnten tantrischen Massageritualen, sind erfahrbar andere Kräfte am Wirken, als in der Regel beim „normalen“ sexuellen Akt.
Häufig berichten Menschen nach einer solchen Massageerfahrung, dass sie das Gefühl hätten, aus einer anderen Welt zurückgekehrt zu sein. Die Augen glänzen, der eigene Körper wird deutlicher wahrgenommen – einerseits fühlt man sich völlig im „hier und jetzt“ andererseits ist während einer sinnlichen Massage oft jegliches Zeitempfinden aufgehoben. Die Wahrnehmung für die eigenen Bedürfnisse schärft sich, Berührungen werden mit allen Sinnen erfasst, der Orgasmus durchzieht in Wirbeln und Wellen den gesamten Menschen, der in diesem Moment nur noch aus Körper besteht und sich doch teilweise beinahe körperlos vorkommen kann.
Von einigen wird diese Art des Erlebens nicht mit „Sexualität“ identifiziert, für sie kommt etwas anderes ins Spiel: ein starkes Gefühl des „Satt - Seins“ auf allen Ebenen tritt ein. Es ist, als habe man in einer anderen, fast schon unkörperlichen Welt neue Kräfte erhalten, neue Erfahrungen gesammelt. Manchem begegnet die massierende Frau als unpersönliches Wesen, fast schon als Göttin, die das eigene Erleben und Bewusstsein erweitert hat. Die Frau wird in diesem Sinne dann nicht mehr als „Sexualpartner“ erlebt, sondern als schenkende und gebende Kraft, die unpersönlich wirkt. Innere Ruhe und Harmonie stellen sich ein, neue Ideen können entstehen, man fühlt sich ausgeglichen und kraftvoll. Sexuelle Rituale können auf das Leben durchaus „befruchtend“ wirken, wenn ihnen der Raum zur Entfaltung ihrer Kraft zugestanden wird. Allerdings ist das Bewusstsein über die „sexuelle Magie“ heutzutage nicht mehr allzu weit verbreitet und ob indianische „Büffelzeremonien“ dieses Wissen wieder verankern könnten, bleibt zu bezweifeln.
Jedoch kann es durchaus lohnenswert sein, sich hier auf die Suche nach zeitgemäßen Formen sexueller Rituale zu machen – möglicherweise wird dadurch nicht nur das Leben in den eigenen vier Schlafzimmer Wänden bereichert...
Thaleia - 1. Dez, 22:14






