Plädoyer für die Vielfalt des Denkens I
"Im allgemeinen lehnen Intellektuelle Mord und Blutvergiessen ab. Viele von ihnen, aber keineswegs alle, verwerfen die Gewalt, predigen Toleranz und beschwören das Argument als das einzige aktzeptable Mittel, Streitigkeiten zu schlichten. Gleichwohl können ihre Handlungen ebenso zerstörerisch sein wie die ihrer zur Brutaltität neigenden Zeitgenossen. Bestimmte Annäherungen an das, was als das Problem der Realtität bezeichnet wird, sind Beispiele dafür.
(Paul Feyerabend, Die Vernichtung der Vielfalt, S.28)
Feyerabend zitiert im weiteren Jaques Monod:
Dies strenge und nüchteren Idee [die der objektiven Erkenntnis als der einzigen Quelle authentischer Wahrheit] die keine Erklärung bietet, sondern einen asketischen Verzicht auf jede weitere geistige Nahrung fordert, konnte die angeborene Angst nicht beruhigen; im Gegenteil - sie steigerte die Angst aufs höchste. Sie wollte eine hunderttausendjährige, ganz dem menschlichen Wesen assimilierte Tradition mit einem Schlage auslöschen; sie hob den alten animistischen Bund des Menschen mit der Natur auf und hinterließ anstelle dieser unersetzlichen Verbindung nur ein ängstliches Suchen in einer eisigen, verlorenen Welt. Wie konnte eine solche Idee, für die nichts als eine puritanische Anmaßung zu sprechen schien, akzeptiert werden? Sie ist nicht akzeptiert worden, bis heute nicht. Wenn sie sich trotzdem durchgesetzt hat, dann allein aufgrund ihrer erstaunlichen Leistungsfähigkeit.
(Paul Feyerabend, Die Vernichtung der Vielfalt, S.28)
Feyerabend zitiert im weiteren Jaques Monod:
Dies strenge und nüchteren Idee [die der objektiven Erkenntnis als der einzigen Quelle authentischer Wahrheit] die keine Erklärung bietet, sondern einen asketischen Verzicht auf jede weitere geistige Nahrung fordert, konnte die angeborene Angst nicht beruhigen; im Gegenteil - sie steigerte die Angst aufs höchste. Sie wollte eine hunderttausendjährige, ganz dem menschlichen Wesen assimilierte Tradition mit einem Schlage auslöschen; sie hob den alten animistischen Bund des Menschen mit der Natur auf und hinterließ anstelle dieser unersetzlichen Verbindung nur ein ängstliches Suchen in einer eisigen, verlorenen Welt. Wie konnte eine solche Idee, für die nichts als eine puritanische Anmaßung zu sprechen schien, akzeptiert werden? Sie ist nicht akzeptiert worden, bis heute nicht. Wenn sie sich trotzdem durchgesetzt hat, dann allein aufgrund ihrer erstaunlichen Leistungsfähigkeit.
Thaleia - 15. Nov, 19:33






