Blaupause fuer Schutzengel: Fylgjen
Persönliche Schutzengel sind allen von uns seit der Kindheit geläufig und werden häufig in Zeiten besonderer Not von gläubigen Christen angerufen.
Meist erscheinen sie als androgyne Wesen mit weißen Flügeln, wie dies aus zahlreichen Gemälden und Abbildungen ersichtlich ist. Allerdings gibt es weder im Alten noch im Neuen Testament Hinweise auf individuell zuzuordnende Engelwesen, die quasi als Beschützer von Einzelpersonen gelten könnten. Biblische Engel werden als mächtige Wesenheiten dargestellt, die häufig rächende oder strafende Funktion haben. Immer sind sie einem mächtigeren Herrn, einem Gott unterstellt, für den sie teilweise auch Botendiensten übernehmen. Solche mythologischen Figuren sind ebenfalls für ältere Kulturen im asiatischen oder orientalischen Raum belegt: dort treten sie in Form von meist geflügelten Dämonen auf, die ebenfalls die Befehle ihrer höherstehenden Gottheiten in der menschlichen Welt ausführen.
Persönliche Beschützer, die dem Menschen an die Seite gestellt sind, treten dagegen in der altnordischen Literatur des öfteren auf. Sie werden dort als Fylgjen, eine Art „Folgegeister“ und individuelle Schutzgeister beschrieben. Rudolf Simek, Professor für Skandinavistik und Germanistik an der Universität Bonn, ordnet diese Fylgjen in seinem Buch „Religion und Mythologie der Germanen“ den sogenannten „Disen“ zu. Als Disen werden ganz allgemein verehrungswürdige oder mythologische Frauengestalten bezeichnet. In der Regel sind mit „Disen“ allerdings weibliche Gestalten aus der jenseitigen Welt gemeint. Zu ihnen gehören neben den Fylgjen die in unserer modernen Kultur bekannteren Walküren, welche nach landläufiger Auffassung die Helden vom Schlachtfeld nach Walhall geleiteten oder auch die als „Schicksalsspinnerinnen“ bezeichneten Nornen.
Fylgjen wurden dementsprechend bis auf wenige Ausnahmen, in denen sie in Tiergestalt auftraten, als weibliche Gestalten vorgestellt, die von hellsichtigen Menschen auch gesehen werden konnten. Fylgjen wurden warnende, schützende und teilweise prophetische Fähigkeiten zugesprochen, mit denen sie „ihren“ Menschen unterstützten.
In der Schlacht war so die Fylgja einer Person ebenso gefürchtet, wie der Krieger selbst, sie warnte ihn vor Gefahren und half ihm im Kampf: offenbar wurden den Fylgjen also reale Kräfte und Macht in der diesseitigen Welt zugeschrieben. (vgl. Simek a.a.O., S.124f)
Adäquat zu stammesgermanischen Vorstellungen eines starken Familienverbandes ist bei den Fylgjen ihr starker Familienaspekt hervorzuheben: einerseits konnten sie, wie erwähnt, innerhalb der Familie weitervererbt werden, andererseits finden sich im altnordischen auch Bezeichnungen wie „aettarfylgja“ oder „kynfilgja“ (Familienfylgja). ((vgl. Simek, S.202)
Möglicherweise lassen sich hier noch weitere Rückschlüsse ziehen: laut Simek weist die “Fylgja” eine Verwandtschaft zur Vorstellung der „Hamingja“ auf: Hamingja bedeutet soviel wie „das personifizierte Glück einer Person“. (Simek, S.203)
In der germanischen Vorstellungswelt dürfte „Glück“ nicht ausschliesslich etwas gewesen sein, was einer Person zufällig begegnet: „Glück“ oder „Heil“ könnten Eigenschaften beschrieben haben, die sich ein Mensch aufgrund seiner Lebensführung, seines Mutes und seiner Taten zu einem großen Teil erarbeiten oder erwerben konnte.
Im Rückschluss liegt es nahe, dass auch die Fylgja oder die Hamingja einer Person, einer Sippe oder eines Stammes Veränderungen unterworfen war: je nachdem, wie ehrenhaft sich die Menschen im einzelnen oder im Verband verhielten, konnten vielleicht auch ihre „Helfer aus dem Geisterreich“ stärker oder schwächer erscheinen oder ganz bestimmte Charaktermerkmale aufweisen, die sicher nicht unveränderlich festgeschrieben waren.
Eine solche Vorstellung wurde den christlichen Schutzengeln stark widersprechen: Engel helfen und schützen unabhängig vom „guten“ Lebenswandel einer Person, sie sind immer da, um den Menschen zu retten und ihn zu „Gott“ zurückzugeleiten. Ein Engel ist eine vom Menschen völlig unabhängige Wesenheit, die im Auftrag Gottes handelt und immer auf der starken und „richtigen“ Seite steht.
Bei dem von mir angedachten germanischen Weltbild wäre die Stärke, die Kraft und der Charakter eines „Begleitwesens“ deutlich von dem Verhalten und den Taten des jeweiligen Menschen oder Gruppenverbandes abhängig: Mensch und Geistwesen wären also in einer Art Abhängigkeitsverhältnis und auch charakterlich vom jeweils anderen beeinflussbar.
So könnte ein mächtiger Schutzgeist nur entstehen, wenn sich der entsprechende Mensch tapfer und tugendhaft verhält. Seine Taten und Verdienste würden sich in seinem Schutzgeist verkörpern, der ihm umgekehrt in schwierigen Situationen mit mehr Fähigkeiten unterstützen kann. Wie es häufiger bei traditionellen Stammesverbänden zu finden ist, gäbe es also keine „geistigen und göttlichen Kräfte“ die mich unabhängig von meinem alltäglichen Verhalten und tun lieben (solange ich nur „glaube“ oder regelmässig „Buße“ für Verstoß gegen die Gebote übe), wie es in der christlichen Mythologie üblicher Glaubensvorstellung entspricht, sondern ich wäre in einem gewissen Sinne „meines Glückes Schmied“. Gerade auch, was die Unterstützung aus der jenseitigen Welt betrifft: diese erfolgt nicht unabhängig von meinen Taten, sondern steht in direkter Relation zu ihnen.
Meist erscheinen sie als androgyne Wesen mit weißen Flügeln, wie dies aus zahlreichen Gemälden und Abbildungen ersichtlich ist. Allerdings gibt es weder im Alten noch im Neuen Testament Hinweise auf individuell zuzuordnende Engelwesen, die quasi als Beschützer von Einzelpersonen gelten könnten. Biblische Engel werden als mächtige Wesenheiten dargestellt, die häufig rächende oder strafende Funktion haben. Immer sind sie einem mächtigeren Herrn, einem Gott unterstellt, für den sie teilweise auch Botendiensten übernehmen. Solche mythologischen Figuren sind ebenfalls für ältere Kulturen im asiatischen oder orientalischen Raum belegt: dort treten sie in Form von meist geflügelten Dämonen auf, die ebenfalls die Befehle ihrer höherstehenden Gottheiten in der menschlichen Welt ausführen.
Persönliche Beschützer, die dem Menschen an die Seite gestellt sind, treten dagegen in der altnordischen Literatur des öfteren auf. Sie werden dort als Fylgjen, eine Art „Folgegeister“ und individuelle Schutzgeister beschrieben. Rudolf Simek, Professor für Skandinavistik und Germanistik an der Universität Bonn, ordnet diese Fylgjen in seinem Buch „Religion und Mythologie der Germanen“ den sogenannten „Disen“ zu. Als Disen werden ganz allgemein verehrungswürdige oder mythologische Frauengestalten bezeichnet. In der Regel sind mit „Disen“ allerdings weibliche Gestalten aus der jenseitigen Welt gemeint. Zu ihnen gehören neben den Fylgjen die in unserer modernen Kultur bekannteren Walküren, welche nach landläufiger Auffassung die Helden vom Schlachtfeld nach Walhall geleiteten oder auch die als „Schicksalsspinnerinnen“ bezeichneten Nornen.
Fylgjen wurden dementsprechend bis auf wenige Ausnahmen, in denen sie in Tiergestalt auftraten, als weibliche Gestalten vorgestellt, die von hellsichtigen Menschen auch gesehen werden konnten. Fylgjen wurden warnende, schützende und teilweise prophetische Fähigkeiten zugesprochen, mit denen sie „ihren“ Menschen unterstützten.
In der Schlacht war so die Fylgja einer Person ebenso gefürchtet, wie der Krieger selbst, sie warnte ihn vor Gefahren und half ihm im Kampf: offenbar wurden den Fylgjen also reale Kräfte und Macht in der diesseitigen Welt zugeschrieben. (vgl. Simek a.a.O., S.124f)
Adäquat zu stammesgermanischen Vorstellungen eines starken Familienverbandes ist bei den Fylgjen ihr starker Familienaspekt hervorzuheben: einerseits konnten sie, wie erwähnt, innerhalb der Familie weitervererbt werden, andererseits finden sich im altnordischen auch Bezeichnungen wie „aettarfylgja“ oder „kynfilgja“ (Familienfylgja). ((vgl. Simek, S.202)
Möglicherweise lassen sich hier noch weitere Rückschlüsse ziehen: laut Simek weist die “Fylgja” eine Verwandtschaft zur Vorstellung der „Hamingja“ auf: Hamingja bedeutet soviel wie „das personifizierte Glück einer Person“. (Simek, S.203)
In der germanischen Vorstellungswelt dürfte „Glück“ nicht ausschliesslich etwas gewesen sein, was einer Person zufällig begegnet: „Glück“ oder „Heil“ könnten Eigenschaften beschrieben haben, die sich ein Mensch aufgrund seiner Lebensführung, seines Mutes und seiner Taten zu einem großen Teil erarbeiten oder erwerben konnte.
Im Rückschluss liegt es nahe, dass auch die Fylgja oder die Hamingja einer Person, einer Sippe oder eines Stammes Veränderungen unterworfen war: je nachdem, wie ehrenhaft sich die Menschen im einzelnen oder im Verband verhielten, konnten vielleicht auch ihre „Helfer aus dem Geisterreich“ stärker oder schwächer erscheinen oder ganz bestimmte Charaktermerkmale aufweisen, die sicher nicht unveränderlich festgeschrieben waren.
Eine solche Vorstellung wurde den christlichen Schutzengeln stark widersprechen: Engel helfen und schützen unabhängig vom „guten“ Lebenswandel einer Person, sie sind immer da, um den Menschen zu retten und ihn zu „Gott“ zurückzugeleiten. Ein Engel ist eine vom Menschen völlig unabhängige Wesenheit, die im Auftrag Gottes handelt und immer auf der starken und „richtigen“ Seite steht.
Bei dem von mir angedachten germanischen Weltbild wäre die Stärke, die Kraft und der Charakter eines „Begleitwesens“ deutlich von dem Verhalten und den Taten des jeweiligen Menschen oder Gruppenverbandes abhängig: Mensch und Geistwesen wären also in einer Art Abhängigkeitsverhältnis und auch charakterlich vom jeweils anderen beeinflussbar.
So könnte ein mächtiger Schutzgeist nur entstehen, wenn sich der entsprechende Mensch tapfer und tugendhaft verhält. Seine Taten und Verdienste würden sich in seinem Schutzgeist verkörpern, der ihm umgekehrt in schwierigen Situationen mit mehr Fähigkeiten unterstützen kann. Wie es häufiger bei traditionellen Stammesverbänden zu finden ist, gäbe es also keine „geistigen und göttlichen Kräfte“ die mich unabhängig von meinem alltäglichen Verhalten und tun lieben (solange ich nur „glaube“ oder regelmässig „Buße“ für Verstoß gegen die Gebote übe), wie es in der christlichen Mythologie üblicher Glaubensvorstellung entspricht, sondern ich wäre in einem gewissen Sinne „meines Glückes Schmied“. Gerade auch, was die Unterstützung aus der jenseitigen Welt betrifft: diese erfolgt nicht unabhängig von meinen Taten, sondern steht in direkter Relation zu ihnen.
Thaleia - 31. Okt, 12:44






