Alles fing schon damit an, dass Freitag, der 13. war – nie ein gutes Zeichen, wie mir häufig ältere Frauen mit Warze auf der Nase und schwarzer Katze auf dem Buckel berichten. Wie schon öfter hatte der „
Dritte Ort“ auch diesmal vor, auf dem Treffen eine eigene kleine Performance/Ritual mit der Gruppe zu machen. Dies sollte unser Beitrag für ein schönes, alle bereicherndes Gemeinschaftsgefühl und gute Stimmung sein.
Von guter Stimmung waren wir auf der Hinfahrt im Auto allerdings weit entfernt: Gestresst von der Arbeitswoche, lustlos (ich zumindest) und mit einem meiner Meinung nach konfusen Konzept für die Aktion im Gepäck, tuckerten wir mehr oder weniger entnervt die Autobahn entlang. Wer an all dem schuld war, wusste ich zum Glück und teilte dem Rest der Truppe mit: unsere Performance-Idee war im Grunde schon abgesoffen, das geplante Unterfangen würde in einer Blamage enden. Zu allem Überfluss verfuhren wir uns dank falsch eingestelltem Navi um gute 100 km. Das Abendessen war somit verpasst und das ist für mich immer ein ganz schlechter Einstieg in jede Art von Veranstaltung. Gehetzte Ankunft im Gruppenraum, beinahe hundert Leute saßen dort schon im Kreis und ich hatte Hunger…
Die Vorstellungsrunde erwies sich an diesem Abend bei weitem nicht als die übliche Selbsterfahrungsgruppe wie ich das schon bei ähnlichen Treffen dieser und anderer Milieus erlebt hatte, sondern hatte Witz und ging konzentriert und heiter über die Bühne. Später fand ich noch einen Mitstreiter zur nächtlichen Nahrungsbeschaffung: um die Uhrzeit blieb nur McDonalds, aber besser als nichts…
Der nächste Tag verging auf meine übliche Weise: jede Menge verpasster Workshops (irgendwie waren die Gespräche, die schöne Wiese und alles andere immer doch wichtiger), erstaunlich gutes Essen und Erholung. Neben der Kuschelparty (ich mag sie nicht, nein!) war für den Abend eine spontane Party geplant. Ein Hauptgrund, auf diesen Treffen zu sein: viel Platz zum Tanzen, nette Leute zum Flirten, vertraute Gesichter, Freiraum zur Entfaltung und die beste Musik außerhalb der eigenen vier Wände. Außerdem die Gelegenheit, mein Weihnachtsgeschenk auszuführen (Stiefel, in denen man eigentlich nicht laufen kann, aber recht gut tanzen), Zeit zum Austoben, Wein trinken, Spaß haben, loslassen…und später halb tot ins Bett fallen.
Sonntagmorgen kam dann wie aus dem Nichts die rettende Idee für unsere Form der sozialen Plastik: die klang zwar genauso bekloppt wie die vorherige, aber uns erschien sie als gangbare Alternative. Beim Mittagessen ging es an den Feinschliff: zusammen mit den drei "HohepriesterInnen", dem Komponisten für den gemeinsam zu singenden Kanon, dem "Dreitagebarden" und natürlich dem "Sommerling" wurde das Konzept rund, die Aufgaben verteilt, die "Opfer" ausgewählt. Langsam setzte bei mir Lampenfieber ein: würden wir uns bis auf die Knochen blamieren, von 30-50 Leuten ausgelacht werden, alles schiefgehen? Es klang albern genug: der "Winterling" sollte herrschen, repräsentiert von drei (zunächst) bösen, gewalttätigen HohepriesterInnen, die ihre Opfer brutal in die Mitte zerren sollten, sie demütigen und züchtigen. Mithilfe der Gruppe und eines machtvollen Gesanges würde dann der "Sommerling" herbeigerufen werden, Schönheit und Liebe in die Welt bringen und unsere Wünsche nach einem gelungenen Polyleben erhören. Jedoch fordert so ein Sommerling dafür auch einiges: Singen, Tanzen, Schreien, ekstatischen Einsatz!
Dann gings los, natürlich mit Verzögerung, etwa 50 TeilnehmerInnen hatten sich eingefunden und es klappte! Was dann passierte, müssen andere beschreiben - die Akteure schweigen....
Ein Grund, warum ich diese Treffen mag: viele der Teilnehmenden sind bereit, sich auf Unbekanntes einzulassen, zu improvisieren, mit zu gestalten und sich völlig dem Geschehen hin zu geben – das Schönste nach so einer Aktion sind glückliche Gesichter, die Überraschungen, die von den anderen eingebracht werden, der ungewisse Ausgang dieser sozialen Plastiken: lebendige Kunstwerke, die von allen mitgestaltet, mitgetragen werden und ein erfülltes, freudiges, erregendes Gefühl hinterlassen, Lust auf mehr machen.
Doch die eigentliche Party war für später angesetzt – es gab eine Pause, die Sommerlings-Truppe durfte Atem holen und schrammte knapp an einer spontanen Orgie vorbei, zumindest schien es mir so.
Es wurde spät, zum Glück war noch was vom Abendessen zurückgelegt und wir mussten nicht hungrig ins Bett. Montags dann ziemlich hinüber, F.s Workshop, der mich wirklich interessiert hätte, wieder verpennt, aber allerbester, wenn auch müder Stimmung.
Ich freu mich aufs nächste Treffen, die Planungen laufen und der Performance und Ritual Club bekommt Verstärkung – noch mehr verrückte Ideen, wie ich hoffe.